Cali

Dass die Anreise nach Kolumbien so anstrengend wird, hätten wir niemals gedacht. Wir waren zwar auf 22 Stunden Busfahrt vorbereitet aber was dann noch auf uns zukam konnten wir nicht voraussehen. Um 6 Uhr ging es los zum Bus-Terminal. Den ersten Schock bekamen wir kurz vor der Abfahrt, als wir erfuhren, dass das Terminal viel weiter weg ist als wir dachten. Cruz del Sur hat zwei, eines in der Stadt, eines außerhalb am Busbahnhof. Anstatt der 10 Minuten mit denen wir rechneten, waren es dann doch 40 Minuten. Also kamen wir schweißgebadet 5 Minuten vor der Abfahrt am Busbahnhof an. Wir hetzten von Schalter zu Schalter bis wir endlich den richtigen gefunden hatten. Nur um dann geschlagene 2 Stunden auf den Bus zu warten, der einfach nicht daher kam!! Als der Bus dann endlich da war, fuhren wir gerade einmal drei Stunden bis zur Mittagspause, die wir an einer Tankstelle verbrachten. Dort mussten wir wieder zwei  Stunden warten, da unser Busfahrer zwei Passagiere am Busbahnhof vergessen hatte, die jetzt mit einem anderen Bus nachkamen. Endlich ging es weiter. Nach weiteren zwei Stunden erreichten wir die Ecuadorianische/Kolumbianische Grenze. Dort bekamen wir dann WIRKLICH einen Schock. Wir hörten zwar, dass an dieser Grenze wegen den Venezuelanischen Flüchtlingen immer viel los sei aber Menschenmassen dieser Art hatten wir nicht erwartet. Dass wir in dieser Schlange unglaubliche 8!! Stunden stehen würden wussten wir dort noch nicht. Und das nur für den Ecuadorianischen Ausreisestempel! Die eisige Kälte am Abend machte das Ganze nicht gerade gemütlicher.  Zum Glück waren wir eine lustige Truppe, das hat es ein bisschen erträglicher gemacht.

IMG_2933Hier noch gut gelaunt in Quito 🙂

Das änderte sich nach acht Stunden anstehen (und hier sieht noch nicht einmal ein Viertel der „Strecke“)!

Zwei davon waren ein venezolanisches Ehepaar, das versuchte nach Peru zu flüchten. Es war schockierend ihre Storys zu hören. Die beiden sind erst 19 Jahre alt (sie schwanger) und haben schon so viel durchgemacht. Durch eine Spende von 60 $ konnten die beiden das Land verlassen, ihre Eltern wurden an der Grenze wieder zurück geschickt, da sie kein Geld hatten. Wir haben nun schon so viele Horrorstorys aus Venezuela gehört. Das Land wird regiert von einem Gestörten. Die Polizei erschießt und vergewaltigt wahllos ihre eigenen Landsleute und es ist nicht möglich ohne Angst aus dem Haus zu gehen. Wegen Plünderungen gibt es in den Supermärkten kaum noch was zu essen. Durch eine Inflation von 2900 % herrschen anarchische Zustände. Trotzdem sprühten die beiden nur so vor Lebensfreude. Sie waren unglaublich interessiert, ehrgeizig und darauf fixiert es besser in ihrem Leben zu haben. Sie sprachen sogar ziemlich gut Englisch, das sie sich selbst im Internet beibrachten. Obwohl das Ganze sehr traurig ist, sind wir froh auch solche Geschichten von der Reise mitzunehmen und auch einen Bezug zu den schlimmen Dingen dieser Welt zu bekommen. So lernt man zu schätzen was man hat. Im behüteten Europa, interessiert das Schicksal eines jungen Pärchens aus Venezuela wahrscheinlich kaum jemanden.

Naja. Um 5 Uhr Abends sind wir an der Grenze angekommen, um halb 1 hatten wir endlich den Ausreisestempel und konnten auf die kolumbianische Seite rüber laufen. Dort mussten wir dann nur noch eine halbe Stunde anstehen. Bis alle aus dem Bus beide Stempel hatten, war es halb 3. Um 12 Uhr mittags am nächsten Tag, kamen wir dann in Cali an. Leider war die Wahl des Hotels nicht gerade die beste. Da wir nur eine Nacht in Cali verbrachten, dachten wir es wäre vielleicht besser gleich in der Nähe des Busterminals zu übernachten. Wir wunderten uns schon, warum die Unterkünfte dort so günstig sind 🙂 Da konnten wir uns doch glatt eine Nacht im 4*-Hotel gönnen. Das Hotel war meeega schön, luxoriös und eine willkommene Abwechslung zu all den Hostels. Nur konnten wir nicht raus 🙂 In unserem Viertel (im Norden der Stadt) ist es zu gefährlich. Wir konnten nur kurz raus um gegenüber zu essen, als das Hotelrestaurant schon geschlossen hatte. Cali selbst ist die viertgefährlichste Stadt der Welt. Wahrscheinlich haben wir aber nicht viel verpasst, die Stadt ist nicht besonders schön. Von anderen Reisenden haben wir jedoch gehört, dass es im Viertel San Antonio ziemlich sicher sei. Dort gibt es auch viele Salsa-Clubs (das Markenzeichen von Cali – zumindest früher). Wir waren auf jeden Fall froh, dass es gleich am nächsten Tag weiter nach Salento ging. 🙂

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Ausblick vom Hotel!

Leider haben wir kaum Bilder von Cali…


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