Manu Nationalpark (Madre de Dios)

Unsere 4-Tägige Tour durch den Dschungel war mit Sicherheit unser Highlight bis jetzt und ein Erlebnis, das wir nie vergessen werden. Der Parque Nacional del Manu liegt im Amazonasgebiet in der Region Madre de Dios und ist eines der artenreichsten Gebiete der Erde (und UNESCO-Weltnaturerbe). Da er schwierig zu erreichen ist, sind hier weniger Touris als in den anderen zwei Nationalparks am Amazonas (Tambopata und Iqitos). In der Regenzeit (also jetzt) ist sowieso weniger los. Deswegen hatten wir auch wiedermal richtig Glück 🙂 Wir waren nämlich die einzigen, die an diesem Datum gebucht hatten. Das heißt, wir hatten einen ganzen Bus (inkl. einem sehr, sehr guten Fahrer), einen Guide und einen Koch ganz für uns alleine 🙂

Der komplette Bus für uns alleine 🙂

Tag 1
Um halb 6 Uhr morgens ging es dann los. Nach einem Zwischenstopp in einem kleinen Andendorf ging es dann auf unsere ganz persönliche „Death Road“. Die echte haben wir in La Paz ja leider auslassen müssen. Die Strecke in den Manu Nationalpark kann aber definitiv mithalten. Das war eine ziemliche Nervenpartie, vor allem für Tamara. Zum Teil waren nur noch ein paar Zentimeter zwischen uns und dem Abgrund. In den 11 Stunden Fahrt (ca 250 km!!!!) wurden wir auf den engen Schotterwegen ziemlich durchgeschüttelt. Die Straßen würden bei uns nicht mal als Wanderweg durchgehen 🙂

Auf den Fotos sieht es nicht mal annähernd so steil und knapp aus wie es wirklich war!

Den nächsten Stop machten wir in einem kleinen Städtchen, das für seinen „Karneval“ bekannt ist. Dort besuchten wir noch ein kleines Museum, bevor es dann weiter Richtung Nationalpark ging.

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Langsam wurde es immer nebliger und die Sicht wurde schlechter (wenigstens sahen wir den Abgrund dann nicht mehr) –  Wir waren im Nebelwald angekommen. Kurz darauf, erreichten wir auch schon den Eingang zum Nationalpark.

Eine Atmosphäre wie in einem Horrorfilm!

Von dort aus (3600 Meter) ging es dann durch den Nebelwald nur noch bergab bis in den Regenwald (300 Meter). Da wir immer wieder Stops zum Spazieren gehen und Tiere beobachten einlegten, konnten wir den Temperaturunterschied (oben 10°, unten 30°) deutlich spüren. Auf dem Weg sahen wir handgroße Schmetterlinge, bunte Vögel und wir machten zum ersten Mal Bekanntschaft mit der 24-Stunden-Ameise, die uns fast auf den Kopf gefallen wäre. Deren Giftstich ist einer der schmerzhaftesten der Welt. Sogar die Einheimischen haben riesen Respekt vor ihr. Die erste Lodge lag in der Nähe des Städtchens Pillcopata. Im Vergleich zu dem was noch auf uns zukam, war diese ziemlich luxuriös und relativ Kabbeltierfrei. Und wir hatten Strom und warmes Wasser. Die zwei Kinder der Familie haben uns gleich herzlich empfangen und sind uns auch nicht mehr von der Seite gewichen 🙂

Tag 2
Am nächsten Morgen ging es dann weiter zu einer Tierauffangstation, die von einem einheimischen, älteren Ehepaar betrieben wird. Die Tiere werden dort gepflegt und gefüttert und irgendwann wieder ausgewildert. Sie sind immer noch wild und können jederzeit zurück in den Dschungel, da es hier keine Gehege oder Käfige gibt. Da sie den Menschenkontakt aber schon kennen, sind sie ziemlich zutraulich 🙂 wir dort  eine Menge Spaß!

Danach machten wir uns auf den Weg zu unserem Boot, das uns noch tiefer in den Dschungel brachte. Wir fuhren den Madre de Dios ca. eine halbe Stunde entlang bis wir mitten im Nirgendwo landeten. Erst mussten wir mit unseren Gummistiefeln durch einen kleinen Sumpf waten, dann ging es wieder aufwärts in den Dschungel. Das war genau das, was wir uns vorgestellt hatten –  abseits der Zivilisation, mitten im Dschungel. Hier gab es dann schon ziemlich viele Insekten usw., deswegen mussten wir hier auch mit Moskitonetzen über dem Bett schlafen. Strom gab es von 6 bis 9 Uhr und heißes Wasser nur am Tag, da die Sonne die Rohre dann aufheizte. Direkt vor unserer Türe waren zwei Büsche, an denen sich den ganzen Tag duzende von Kolibris tummelten. Wir saßen erstmal nur da und beobachteten diese coolen Vögelchen. Nach und nach kamen auch die vielen Echsen aus ihren Verstecken gekrochen und buddelten sich ihr Essen in der Wiese frei.

Nach dem Mittagessen fuhren wir mit dem Boot noch weiter Flussabwärts zu einem kleinen See. Um dorthin zu kommen, mussten wir durch dichten Dschungel wandern. An die vielen Insekten, die den ganzen Weg um uns herum schwirrten, hatten wir uns ziemlich schnell gewöhnt. Wir schlichen uns förmlich durch den Dschungel um die Tiere nicht zu verscheuchen. Unser Guide – Carlos – erklärte uns die verschiedenen Pflanzen, Tiere und Insekten, die uns umgaben. Zudem hatte er ein sehr gutes Gehör und einen Blick dafür, die Bewohner des Urwaldes aufzuspüren.  So sahen wir unsere ersten wilden Affen im Dschungel (Totenkopfäffchen). Leider waren sie zu schnell um sie zu fotografieren. Auch einen Kaiman konnten wir ganz kurz in einem Tümpel sehen. Am See angekommen, machten wir eine kleine Fahrt auf einem Holzfloß. Dann ging es wieder zurück in die Lodge. Die vielen verschiedenen Geräusche im Dschungel faszinierten uns vom ersten Augenblick an. In den beiden Lodges hatten wir nur Moskitonetze vor den Fenstern, so konnten wir mit den Geräuschen einschlafen.

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Tag 3
Der nächste Tag begann ziemlich früh mit einer Wanderung auf den „Berg“ oberhalb unserer Lodge. Am Anfang war der Weg noch relativ entspannt und gemütlich. Den dichten Dschungel waren wir ja schon vom Vortag gewöhnt. Etwas später packte Carlos dann die Machete aus und wir mussten uns unseren Weg frei schlagen. Und das steil aufwärts, bei etwa 80 % Luftfeuchtigkeit und 30°. Auf dem Weg gab es für Max noch einen kleinen Protein-Snack – lebende Termiten frisch aus dem Bau. Iiiiihhh 🙂 Oben angekommen, waren wir klitschnass und richtig kaputt. Von dort oben hat man aber eine traumhafte Aussicht auf den Madre de Dios. Auf dem Weg nach unten mussten wir dann unsere Trittfestigkeit unter Beweis stellen. Es ging über Baumstämme, Wurzeln und durch dichtes Gestrüpp steil bergab. Einige Male landeten wir auch auf unseren Hintern. Dann tauchte plötzlich eine Horde Affen über uns auf. Denen schien es nicht zu gefallen, dass wir durch ihr Revier stapften. Es kamen immer mehr und sie fingen an auf den Ästen herum zu hüpfen und uns mit Stöcken zu bewerfen. Wir gingen in Deckung und beobachteten sie noch eine Weile lang. Es war richtig faszinierend ihnen zuzusehen und sie in freier Wildbahn von Ast zu Ast springen zu sehen. Da es noch ein Stückchen war und unsere Trinkvorräte langsam ausgingen, zeigte uns Carlos noch eine Möglichkeit an sauberes Wasser zu kommen. Mit der Machete hackte er einfach ein Stück Bambus ab und reichte es uns. Er erklärte uns, dass der Bambus eine natürliche Filterfunktion besitzt und man das Wasser in dessen Hohlräumen problemlos trinken kann. Echt cool was die Natur alles zu bieten hat 🙂 Am Nachmittag gingen wir dann Zip-Linen. Das waren einfach nur durch den Dschungel gespannte Stahlseile und wackelige, selbstgebaute Plattformen auf den Urwaldbäumen, in 20 Meter Höhe. Zum Schluss mussten wir uns noch selbst von einem riesigen Baum abseilen.

Zurück in der Lodge empfing uns auch schon unser kleiner Freund Lucho, der uns schon in den Tagen davor immer wieder einen Besuch abstattete. Lucho ist ein keiner Baby-Affe (ca. 6 Monate), der wahrscheinlich von seiner Mutter ausgestoßen wurde. Seitdem „lebt“ er auf dem Gelände der Lodge. Er ist soooooo süß!!!! Wir hätten ihn am liebsten mitgenommen 🙂

Am Abend ging es dann noch auf einen spannenden Nachtspaziergang durch den Dschungel. Ohne Taschenlampe und unseren Guide wären wir verloren gewesen. Es ist stockfinster und trotzdem herrscht immer noch reges Treiben. Das ist die Zeit der Krabbel- und Kriechtiere. Wir hatten das Glück riesige Spinnen, eine Schlange, einen Pfeilgiftfrosch und sogar ein Opossum zu sehen. Der perfekte Abschuss für einen geilen Tag. Das Wetter war übrigens die ganze Zeit über traumhaft schön.

Leider nur zwei Bilder :/

Tag 4
Der nächste Tag begann schon um 4:30 Uhr. Wir mussten uns ohne Licht schnell fertig machen und zum Boot hetzen, da wir nur ein kleines Zeitfenster für unsere letzte Dschungelattraktion hatten. Ziel war ein großer Steinhang, an dem sich Hunderte Papageien bei Sonnenaufgang versammeln um dort die Mineralien aus den Steinen zu picken. Das Spektakel dauert aber nur 10 bis höchstens 30 Minuten, also mussten wir uns beeilen. Wir kamen gerade noch rechtzeitig und wir konnten die Vögel noch 10 Minuten mit unseren Ferngläsern beobachten.

Danach ging es schon wieder zurück zur Lodge um zu frühstücken. Der Rückweg nach Cusco war genauso ein Abenteuer wie die Hinfahrt. Da wir unsere Weiterreise schon gebucht hatten, waren wir sowieso schon unter Zeitdruck. Noch dazu saßen wir wegen einer Art Baustelle eine Dreiviertelstunde in einem Dorf fest. Dort manövrierte unser Fahrer den Bus durch die engsten Gassen und Kurven und schaffte es schlussendlich auf einem anderen Weg auf die Hauptstraße zurück. Auch der weitere Weg war mit Hindernissen gespickt. Kurz vor dem Ziel (und eine Stunde vor Busabfahrt in Cusco) platze uns dann auch noch ein Reifen. Unglaublich, dass wir es tatsächlich 15 Minuten vor Abfahrt doch noch an den Busbahnhof geschafft haben 🙂

 


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